Wie viel Verkehr schafft der Schienenknoten Rhein-Neckar? Landtagsabgeordneter Veits informiert sich über Ausbauperspektiven
V.l.: Am Schienenknotenmodell des VRN veranschaulicht Dietmar Maier, Geschäftsbereichsleiter Leistungsangebot der VRN GmbH, dem baden-württembergischen Landtagsabgeordneten Yannick Veits die komplexen Herausforderungen des Schienenknotens Rhein-Neckar. (Foto: VRN GmbH)
Mehr Fahrgäste, mehr Güter auf der Schiene und zugleich höhere Erwartungen an Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit: Der Schienenknoten Rhein-Neckar muss künftig deutlich mehr leisten. Doch schon heute treffen im Raum Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg zahlreiche Verkehrsströme auf eine überlastete Infrastruktur. Wie kann der Knoten fit für weiteres Wachstum gemacht werden? Darüber tauschten sich der baden-württembergische Landtagsabgeordnete Yannick Veits und Dietmar Maier, Geschäftsbereichsleiter Leistungsangebot der Verkehrsverbund Rhein-Neckar GmbH (VRN), bei einem gemeinsamen Termin aus.
Wie komplex die Situation ist, zeigt ein Blick auf das Schienenknotenmodell des VRN. Regionalbahnen, S-Bahnen, Fernverkehr und Güterzüge treffen hier aufeinander und nutzen vielerorts dieselben Gleise und Weichen.
„Wir wollen mehr Verkehr auf die Schiene bringen. Das funktioniert aber nur, wenn die Infrastruktur mitwächst“, machte Dietmar Maier deutlich. „Im Schienenknoten Rhein-Neckar geht es deshalb nicht allein um zusätzliche Gleise oder einzelne Baumaßnahmen. Entscheidend ist, die Engpässe im Gesamtsystem zu beseitigen und die Verkehre so zu entflechten, dass mehr Kapazität und zugleich mehr Stabilität entstehen.“
Ein Knoten, viele Abhängigkeiten
Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die zunehmende Auslastung des Schienenknotens und die Frage, welche Infrastruktur langfristig erforderlich ist, um einen stabilen Bahnbetrieb zu gewährleisten.
Eine Schlüsselrolle spielt dabei der Mannheimer Hauptbahnhof. Ein Tunnel unter dem Hauptbahnhof ist als Verbindung der beiden Neubaustrecken Frankfurt – Mannheim und Mannheim – Karlsruhe bereits angedacht. Nach den derzeitigen Planungen der Deutschen Bahn soll dieser jedoch lediglich vom Güterverkehr sowie von einzelnen Sprinter-ICE genutzt werden, die die Metropolregion ohne Halt durchfahren.
Der VRN fordert deshalb gemeinsam mit der Stadt Mannheim und dem Verband Region Rhein-Neckar mit Nachdruck, die Tunneltrasse mit unterirdischen Bahnsteigen am Mannheimer Hauptbahnhof auszustatten. Damit könnte der Tunnel auch von den ICE-Hauptlinien genutzt werden, die im Deutschlandtakt halbstündlich in Mannheim halten sollen. Aus Sicht der Partner ist dies eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass die neue Infrastruktur nicht nur zusätzliche Verkehre aufnehmen kann, sondern zugleich die bestehenden oberirdischen Gleise entlastet und mehr Verbindungen im Nah- und Regionalverkehr ermöglicht.
„Wenn unter Mannheim eine neue leistungsfähige Schienenverbindung entsteht, müssen wir diese Chance für den gesamten Knoten nutzen“, erklärte Dietmar Maier. „Ein Tunnel, der den Hauptbahnhof lediglich unterquert, greift aus unserer Sicht zu kurz. Mit unterirdischen Bahnsteigen könnten wir Verkehre gezielt neu ordnen, die oberirdische Infrastruktur entlasten und die Voraussetzungen dafür schaffen, dass mehr Züge den Knoten zuverlässig passieren können.“
„Das Modell macht sehr anschaulich deutlich, dass wir beim Ausbau der Schiene nicht in einzelnen Strecken denken dürfen“, teilte Landtagsabgeordneter Yannick Veits mit. „Eine leistungsfähige Schiene ist für die Mobilität der Menschen und für die wirtschaftliche Stärke der gesamten Rhein-Neckar-Region und darüber hinaus von großer Bedeutung. Deshalb müssen wir frühzeitig darüber sprechen, wo die entscheidenden Engpässe liegen und welche Lösungen langfristig tragfähig sind.“
Neubaustrecken und Knoten als Gesamtsystem denken
Ein weiterer Schwerpunkt des Austauschs lag auf den geplanten Neu- und Ausbaumaßnahmen entlang der Zulaufstrecken. Denn die Leistungsfähigkeit des Schienenknotens Rhein-Neckar hängt unmittelbar davon ab, wie gut die einzelnen Projekte ineinandergreifen. Zusätzliche Züge nach Mannheim sind nur dann sinnvoll, wenn Zulaufstrecken und Knotenpunkte aufeinander abgestimmt entwickelt werden.
„Unsere Fahrgäste interessieren sich zu Recht vor allem dafür, ob ihr Zug pünktlich kommt und der Anschluss funktioniert“, so Dietmar Maier weiter. „Unsere Aufgabe ist es, die Voraussetzungen dafür zu schaffen. Wenn wir in Zukunft mehr und gleichzeitig zuverlässigeren Schienenverkehr anbieten wollen, müssen die entscheidenden Infrastrukturfragen jetzt angegangen werden.“
Weitere Informationen zum Schienenknoten Rhein-Neckar unter: Europas Mobilitätsdrehscheibe: Zukunft des Schienenknotens Rhein-Neckar sichern