VRN baut digitalen Vertrieb weiter aus Verbesserte Funktionen machen die Nutzung flexibler
Der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) zieht für seine Vertriebsentwicklung eine insgesamt positive Bilanz. Die aktuellen Zahlen für 2025 und das erste Quartal 2026 zeigen: Tarif‑ und Vertriebsstrukturen sind deutlich in Bewegung. Das Deutschland-Ticket hat das klassische Abo‑Modell nachhaltig verändert und bestehende Produkte neu geordnet. Gleichzeitig bleibt der Gelegenheitsverkehr relevant, denn nicht alle Fahrgäste sind täglich unterwegs oder möchten ein Abonnement nutzen.
Für den VRN bedeutet das, den Vertrieb insgesamt stärker an den tatsächlichen Nutzungsgewohnheiten der Fahrgäste auszurichten: mit leicht verständlichen und flexiblen Angeboten. Daran knüpft der VRN mit der Weiterentwicklung seiner Vertriebsangebote an und stärkt sowohl die Funktionalität der myVRN-App als auch alltagstaugliche Services wie Check in/Check out für Kinder.
„Unsere Vertriebszahlen machen deutlich, dass wir uns in einem tiefgreifenden Transformationsprozess befinden. Digitale Produkte und Zugänge werden immer wichtiger und gleichzeitig braucht es weiterhin attraktive Lösungen für den Gelegenheitsverkehr. Entscheidend ist, dass wir unseren Fahrgästen insgesamt einfache und verlässliche Angebote machen“, erklärt Christian Volz, Kaufmännischer Geschäftsführer der rnv GmbH und Sprecher der Verkehrsunternehmen im VRN.
Deutschland-Ticket verändert die Vertriebslandschaft nachhaltig
Mit der Einführung des Deutschlandtickets haben sich Nachfrage und Einnahmestrukturen im Verbundgebiet deutlich verschoben. Klassische Jahreskartenprodukte verlieren an Beduetung, digitale Vertriebswege gewinnen weiter an Gewicht. Aus Sicht des VRN ist das keine vorübergehende Entwicklung, sondern Ausdruck einer neuen Tarifrealität. Das Deutschland-Ticket ist gesetzt und prägt den Vertrieb dauerhaft – sowohl im Abo-Bereich als auch bei der Kundenbindung über digitale Kanäle.
Gleichzeitig zeigt der Blick auf den Gelegenheitsverkehr, dass auch dieses Marktsegment weiterhin hohe Bedeutung hat. Spontane, gelegentliche und freizeitbezogene Fahrten brauchen einfach zugängliche Produkte. Gerade hier gewinnen digitale Angebote wie App-Tickets und Check-in/Check-out an Relevanz.
App-Vertrieb wächst dynamisch
Ein sichtbarer Wachstumstreiber innerhalb dieser Entwicklung ist die myVRN-App. Seit dem Start des neuen Ticketshops am 15. Dezember 2022 ist die Zahl der Registrierungen und Buchungen deutlich gestiegen. Ende März 2023 kam das Deutschland-Ticket hinzu, ab Oktober 2024 wurde außerdem das Deutschland-Semester-Ticket für rund 11.500 Studierende über die App bereitgestellt. Ende 2025 wechselten durch die Abschaltung der eTarif-App der rnv zudem rund 25.000 Kundinnen und Kunden in die myVRN-App. Ohne diese Sondereffekte lag die durchschnittliche Zahl der Registrierungen in den vergangenen zwei Jahren bei rund 5.000 pro Monat.
Auch die Nutzung ist stark gestiegen: Die Zahl der Einzelbuchungen in der myVRN-App erhöhte sich 2025 um 122 Prozent auf 832.150. Mehr als die Hälfte davon waren bereits Check-in/Check-out-Buchungen. Der Umsatz in der App lag 2025 bei 9,26 Millionen Euro und damit rund 54 Prozent über dem Vorjahr. Rund zwei Drittel dieses Umsatzes entfallen auf das Deutschland-Ticket einschließlich Deutschland-Semester-Ticket.
Der VRN ordnet diese Entwicklung bewusst in den Gesamtvertrieb ein: Mit einem Anteil von 2,7 Prozent am VRN-Gesamtpool und 3,5 Prozent am Gelegenheitsverkehr im VRN-Pool wächst die myVRN-App zwar dynamisch, sie bildet aber immer noch nur einen überschaubaren Teil des gesamten Vertriebs ab. Das starke Wachstum zeigt damit weniger eine Verlagerung des gesamten Marktes in einen einzelnen Kanal als vielmehr das Potenzial digitaler Zugänge innerhalb eines breiter aufgestellten Vertriebssystems auf.
Check-in/Check-out jetzt auch für Kinder
Mit der Eltern-Kind-Funktion hat der VRN bereits im vergangenen Jahr seine digitalen Angebote gezielt für Familien ausgebaut. Kinder und Jugendliche ab sechs Jahren können ein eigenes VRN-Konto in der myVRN-App nutzen, auch ohne eigenes Zahlungsmittel. Voraussetzung ist, dass die Registrierung durch eine gesetzlich vertretungsberechtigte Person erfolgt. Das Konto des Kindes wird dabei mit dem Konto der zahlenden Person verknüpft. Diese kann einen Verfügungsrahmen für gelegentliche Fahrten und/oder die Nutzung eines Deutschland-Ticket-Abos freigeben; die Einstellungen lassen sich jederzeit anpassen oder beenden.
Auch der Luftlinientarif im Check-in/Check-out-Verfahren ist damit ab sofort für Kinder möglich. Das Prinzip bleibt einfach: einchecken an der Starthaltestelle, auschecken am Ziel, den Rest übernimmt das System. Tarifkenntnisse sind nicht erforderlich; der Luftlinientarif berechnet automatisch den Bestpreis, bei unter 14-Jährigen inklusive Kinder-Rabatt. Das macht die Nutzung des ÖPNV für Familien alltagstauglicher und erhöht zugleich die Selbstständigkeit junger Fahrgäste.
Gleichzeitig ist das dahinterliegende Prinzip auch über die klassische Eltern-Kind-Nutzung hinaus interessant: Denn die Bezahlungsübernahme ist nicht nur für Familien mit Kindern interessant, sondern auch für andere Dritte wie Betreuungspersonen nutzbar. So kann das Modell zum Beispiel auch dort hilfreich sein, wo Seniorinnen und Senioren Unterstützung bei der digitalen Ticketnutzung benötigen, gleichzeitig aber mobil und möglichst selbständig bleiben sollen.
„Mit der Eltern-Kind-Funktion und dem Luftlinientarif mit Bestpreisversprechen für Kinder schaffen wir ein Angebot, das Familien konkret im Alltag hilft. Kinder können selbstständiger mobil sein, während Eltern oder andere zahlende Personen die volle Transparenz über Budget und Bezahlung behalten. Genau solche einfachen digitalen Lösungen stärken den ÖPNV in der täglichen Nutzung“, erklärt Dr. Michael Winnes, Geschäftsführer der VRN GmbH.
Für den VRN ist damit klar: Die Zukunft des Vertriebs liegt nicht in einem einzelnen Produkt oder Kanal, sondern in einem abgestimmten Gesamtsystem. Das Deutschland-Ticket prägt die Abo-Welt, der Gelegenheitsverkehr bleibt wichtig, digitale Angebote gewinnen an Reichweite, und neue Funktionen wie Check-in/Check-out für Kinder machen den Zugang zum ÖPNV noch einfacher. Ziel bleibt ein Vertrieb, der verständlich, flexibel und möglichst nah am Alltag der Fahrgäste ist.