VRN Jahresbilanz für 2016

Einzel-, Wochen- und Monatskarten stärker nachgefragt – Fahrgäste wollen flexibel bleiben

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Die Zahl der beförderten Fahrgäste, die im letzten Jahr mit Bus und Bahn im Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) unterwegs waren, betrug in 2016 rund 309,5 Millionen Menschen. Dies sind 0,15 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Fahrgastzahlen blieben damit weitest gehend stabil. Die Verkehrsunternehmen im VRN konnten bei den Fahrgeldeinnahmen für das Jahr 2016 bei einer Tarifanpassung von 2,8 Prozent einen Zuwachs von rund 3,87 Prozent erzielen. Die Einnahmen betrugen in 2016 insgesamt rund 303,5 Millionen Euro.

Der Stammkundenanteil mit verbundweit gültigen Zeitkarten sank auf 90,9 Prozent. Dafür verantwortlich war in erster Linie der Rückgang bei der verbundweit gültigen Jahreskarte MAXX-Ticket für Schüler und Auszubildende.

„Das Verbundergebnis ist von der Flexibilisierung und dem sich immer stärker auswirkenden demografischen Wandel geprägt. Die Fahrgäste wollen flexibler sein und nutzen die Busse und Bahnen im VRN immer öfter mit Wochen- oder Monatskarten. Rückläufige Schülerzeitkarten und Semester-Tickets bestätigen den demografischen Wandel im vorwiegend ländlich geprägten Verbundgebiet“, sagte Rüdiger Schmidt, Geschäftsführer der Unternehmensgesellschaft Verkehrsverbund Rhein-Neckar GmbH (URN GmbH).

Rückgang von Ausbildungszeitkarten und Semester-Tickets

Die Anzahl der Zeitkarten ging insgesamt im Bereich der Monats- und Jahreskarten Ausbildung weiter zurück (- 1,63 Prozent). Im Jahresdurchschnitt hatten insgesamt 148.351 Kunden ein MAXX-Ticket (- 1,37 Prozent). Ähnlich entwickelten sich die Jahresdurchschnittszahlen beim SuperMAXX-Ticket (- 1,90 Prozent) und den Ausbildungskarten Westpfalz (- 3,50 Prozent).

Beim Semester-Ticket sind die Fahrgastzahlen ebenfalls gesunken. Im letzten Jahr wurden nur noch 71.542 Tickets (- 1,70 Prozent), jeweils 6 Monate gültig, verkauft.

Das Anschluss-Semester-Ticket hatten 10.047 Karteninhaber und damit weniger Nutzer (- 6,88 Prozent) als im Vorjahr. Beim Semester-Ticket plus Westpfalz stieg dagegen die Zahl der verkauften Tickets im Dezember auf 13.213 Studierende (+ 0,72 Prozent).

Langfristige Kundenbindung im ÖPNV – mehr Wochen- und Monatskarten

Bei den Nutzerzahlen wurde eine deutlich Wanderbewegung von der Jahreskarte Jedermann mit 11.836 Kunden (-2,79 %) und dem Rhein-Neckar-Ticket mit durchschnittlich 27.965 Kunden (- 2,33 %) hin zum Job-Ticket von 40.537 auf 42.153 Kunden (+ 3,99 %) festgestellt. Ursachen hierfür dürfte die verstärkte Bewerbung durch die großen Verkehrsunternehmen sowie die Einführung des Job-Ticket Baden-Württemberg zum 1. Januar 2016 gewesen sein.

Bei den Wochen- und Monats- Zeitkarten / Jedermann ist die Nachfrage insgesamt betrachtet stabil geblieben und verzeichnet eine eher positive Entwicklung (+ 2,16 Prozent).

Auch Senioren wollen flexibel bleiben

Zum wiederholten Male ging die Zahl der Nutzer einer Karte ab 60 auf durchschnittlich 59.677 Karteninhaber zurück (-0,99 %), während die Zahl der Seniorenmonatskarten stieg (+ 6,39 %). Senioren wollen zunehmend flexibel in der Wahl ihrer Fortbewegungsmittel bleiben und sich nicht ganzjährig an den ÖPNV binden.

Insgesamt konnte jedoch das Niveau der Stammkunden mit einer verbundweit gültigen Jahreskarte weitest gehend gehalten werden.

Einzelfahrscheine und Tages-Karten deutlich stärker nachgefragt

Im Bereich der Einzelfahrscheine wurden bei den Erwachsenen (+ 4,13 Prozent) und dem BC-Ticket (+ 6,21 Prozent) Zuwächse erzielt. Die Fahrausweise für Kinder (Einzelfahrschein und Mehrfahrtenkarte) entwickelten sich weiter stark rückläufig, was auf den demografischen Wandel und die kostenlose Mitnahme bis 14 Jahre auf der Tages-Karte zurückzuführen sein dürfte.

Bei den Tages-Karten war die Entwicklung insgesamt sehr positiv, wobei die Tages-Karte für 1, 2 und 3 Personen sowie die Jugendgruppen-Karte weiter stärker nachgefragt wurden. Insgesamt ist ein deutlicher Anstieg der Fahrgastzahlen im Gelegenheitsverkehr zu verzeichnen (+ 2,78 Prozent).

Handy- und Online-Tickets auf dem Vormarsch

Immer mehr Fahrgäste nutzen die Möglichkeit, den Fahrschein online oder als Handy-Ticket zu erwerben. Da jedoch das digitale Fahrkartenangebot eingeschränkt ist, halten sich auch die Verkäufe noch in Grenzen, Tendenz aber steigend. So wurde im letzten Jahr insgesamt ein Umsatz bei den Online- und Handy-Tickets von immerhin rund 5 Millionen Euro erzielt, wobei hier das Semester-Ticket, das online erworben werden kann, den größten Anteil ausmacht.

Beim in 2015 eingeführten eTarif Heidelberg, bei dem sich der Fahrpreis aus 1 Euro Grundgebühr plus 0,20 Euro pro gefahrenen Luftlinienkilometer zusammensetzt und der im letzten Jahr nur bis einschließlich November im Stadtgebiet Heidelberg gültig war, verlief die Bilanz mit einem Umsatz von einer Viertelmillionen Euro inklusive Touch&Travel allgemein im VRN insgesamt erfolgreich. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Nutzerzahlen beim eTarif im Jahre 2017 entwickeln, nach dem das Basissystem Touch&Travel eingestellt wurde und der VRN den eTarif nun auf einer anderen Systemplattform / einer anderen App verbundweit auf Basis der Luftlinienberechnung anbietet. Der Grundpreis beträgt 1,20 Euro Grundgebühr plus 0,20 Euro pro gefahrenen Luftlinienkilometer.

Fazit

Nachdem die Nachfrage nach Wochen- und Monatskarten Jedermann in 2016 insgesamt wieder deutlich um 2,16 % gestiegen ist, sank die Nachfrage nach Jahreskarten.

„In Verbindung mit der Tatsache, dass auch im Gelegenheitsverkehr ein langfristiger Anstieg der Nachfrage vorherrscht, erhärtet sich das Phänomen der Flexibilisierung in der Arbeitswelt sowie der zunehmenden intermodalen Mobilität der Menschen“, ergänzte Rüdiger Schmidt.

Es ist davon auszugehen, dass sich die Fahrgäste im Verbundraum des VRN generell flexibler bewegen wollen. Dazu werden die Wege, ob zur Arbeit oder in der Freizeit, mittlerweile vermehrt verkehrsmittel-übergreifend zurückgelegt. Dazu gehört im VRN vor allem das Fahrradvermietsystem VRNnextbike sowie CarSharing von stadtmobil Rhein-Neckar.

Positive Effekte auf die ÖPNV-Fahrpreise hatten die konstanten Energiekosten, wie Strom und Treibstoff. In der gleichen Zeit stiegen aber Lohn- und Betriebskosten weiter deutlich an. Somit müssen auch weiterhin alle Beteiligten, sprich Fahrgäste, Unternehmen und öffentliche Hand, ihren Beitrag zur Finanzierung, Sicherung und Ausbau eines attraktiven und modernen ÖPNV leisten.