Ein Schirm auch für den Fahrgast

Der Corona-Rettungsschirm kommt nicht nur den Verkehrsunternehmen zugute, sondern indirekt auch den Fahrgästen. Wie, das erklärt Cristina Reisenauer, Leiterin der Abteilung Einnahmenabrechnung beim VRN.

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Bild: Signum Communications

Was bedeutet der Rettungsschirm für die Fahrgäste?

Dank dieser Förderung können wir Ihnen das Nahverkehrsangebot weiterhin in vollem Umfang zur Verfügung stellen – und sogar erst einmal auf eine Erhöhung der Tarife zum 1. Januar 2021 verzichten. Das war angesichts der fehlenden Einnahmen und der Mehrkosten durch Hygienemaßnahmen sowie das Bereitstellen zusätzlicher Fahrzeuge lange Zeit nicht sicher. Umso mehr freuen wir uns, dass wir auf diese Weise einen Teil des Ausgleichs an unsere Fahrgäste weitergeben können. An dieser Stelle möchten wir vor allem unseren Abo-Kunden danken, die uns in der Krise die Stange gehalten haben und Bus und Bahn nach wie vor als bessere Alternative schätzen.

Warum war es so extrem kompliziert, die Förderung
 zu beantragen?

Zuerst mussten wir aufwendige Berechnungen durchführen, um die Mindereinnahmen exakt zu ermitteln und Überkompensationen zu vermeiden. Da sich unser Verbundgebiet über drei Bundesländer erstreckt – Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz – und mit geringen Leistungen auch Bayern und das Saarland tangiert, hatten wir unterschiedliche Richtlinien hinsichtlich Antragstellung und Auszahlung einzuhalten. Und dann hat uns die EU die Fördermittel nur bis Ende August zu den von der Bundesregierung eingereichten Rahmenbedingungen zugestanden. Damit uns der Bund die Zahlungen aber bis Dezember bereitstellen kann – die Mindereinnahmen bei den Verbundunternehmen bestehen ja weiterhin –, mussten wir bis Ende August knapp 50 Zusatzverträge mit den Verbundunternehmen abschließen. Und das alles in nur wenigen Wochen.

Und wie geht es weiter?

Natürlich hoffen wir, dass sich ein weiterer Lockdown verhindern lässt. Denn ein zweiter Rettungsschirm in dieser Dimension ist kaum zu stemmen. Dennoch rechnen wir auch für 2021 mit geringeren Einnahmen, denn so schnell werden sich die Fahrgastzahlen nicht erholen. Deshalb arbeiten wir aktuell gemeinsam mit den Aufgabenträgern und den Ländern an Lösungen, um den ÖPNV auch weiterhin zukunftsfähig zu gestalten und unser Angebot aufrechtzuerhalten.